Krieg und kein Whisky

Veröffentlicht: 12. Februar 2011 in Texte

Ein düsterer Hinterhof. Die Häuser ringsum zerbombt. Ich renne ziellos vorbei an ratternden MG’s. Ich weiß nicht, wer auf wen schießt, es scheinen ungefähr fünf verschiedene Gruppierungen wahllos in alle Richtungen zu feuern. Deswegen fällt es mir auch schwer mich zu entscheiden, auf welche Seite ich mich schlagen soll. Dann bin ich in einer Gasse und sehe wie Menschen versuchen sich mit komischen Gerätschaften einen Tunnel nach schräg unten zu graben. Ich sehe eine hübsche Blondine mit einer süßen Brille, streiche ihr mit der Hand über die Wange und küsse sie. Ohne Zunge, aber dennoch leidenschaftlich. Es verliert allerdings schnell an Reiz und ich verliere sie. Menschen kreischen, rennen panisch umher. Ich begreife, dass ich als Russe am wenigsten auffallen würde. Also schnapp ich mir eine Mütze mit Ohrwärmern. Ich drehe sie lange auf meinem Kopf herum bis sie richtig sitzt, während ich einen Gang entlang renne, vorbei an hektisch herumeilenden Arbeitern und Soldaten. Alle brüllen wild durcheinander. Ich klemme mir ein langes, dünnes rotes Plastikbrett unter den Arm und fang an russisch klingende Laute von mir zu geben. Ich falle nicht mehr auf, die Gefahr ist erst einmal gebannt. Es ist ziemlich schwierig, sich mit dem langen Plastikding durch die schmalen Gassen zu kämpfen. Ständig bleibe ich irgendwo hängen. Dann endlich schaff ich es aus einem Loch an die Oberfläche zu steigen. Ein befreiendes Gefühl. Und ich freue mich sehr dort die Blondine wieder zu sehen. Unzählige Hubschrauber steigen nun aus den vielen Löchern im Boden empor. Ein Welle der Erleichterung geht durch die Menge. Es ist geschafft, der Krieg ist vorbei. Ich bin sehr glücklich. Jetzt begreife ich auch, dass dies das Ziel der Bohrungen war. Ich liege auf einer Wiese am See. Links und rechts neben mir sitzen zwei hübsche Mädchen. Ich klopfe Sprüche, necke sie und werde mit Lachen belohnt. Dann reiß ich einen Grasbüschel aus der Wiese, zerteil ihn in der Mitte und schmeiß die kleinen Grasstücke dem Mädchen rechts von mir auf die Brust. Ein bisschen Gras verschwindet auch in ihrem Ausschnitt. Sie ärgert sich, nimmt es aber mit Humor. Die Aktion scheint sehr kapital gewesen zu sein, denn jetzt liegen die drei Mädchen – die dritte ist mir vorher gar nicht aufgefallen – nur im Bikini auf mir und ich fühle mich wie der junge Casanova. Es gesellen sich noch zwei, drei Damen dazu, aber ich spüre sofort, dass sie nichts Gutes im Schilde führen. Eine von ihnen reißt mir die Badehose runter und alle können es sehen. Meinen zusammengezogenen, kleinen, schrumpligen Schwanz. Die Mädchen brechen in schallendes Gelächter aus. Ich schaue mich um und alle sind auf einmal weg. Es hätte noch so schön werden können. Mein Vater und ich kommen an eine gut besuchte Bar. Er bestellt etwas. Ich sehe, wie der Barkeeper ihm ein Glas mit Whisky auf Eis reicht und eine Cola in ein zweites Glas füllt. Cola? Ich sage zu einem zweiten Barkeeper, der vielleicht der Chef ist, dass die Cola wohl ein Witz sein soll und die gesamte Meute fängt an sich kaputtzulachen. Cola. Ha, ha, ha. Ich und eine Cola, was für ein Witz. Der Chef-Barkeeper sagt zu seinem Kollegen so etwas wie, gib dem Jungen mal seinen Whisky, woraufhin sich dieser sofort bei mir entschuldigt, er hätte es falsch verstanden. Es ist ihm etwas peinlich. Er stellt den Drink vor sich auf die Theke. Plötzlich sehen die zwei hinter der Bar sehr danach aus, als wären sie bei der Mafia und alle Gäste sind verschwunden. Ich sitze jetzt alleine da. Ein gut gebauter, braungebrannter Südländer in einem todschicken, feingestreiften Hemd setzt sich an die lange Seite der Bar. Er nimmt sich mein Glas und kippt den Whisky runter. Ich erkläre ihm, dass das Glas meins war und er bringt einen Spruch. Ich antworte ihm mit einem Spruch und wir lachen. Wir verstehen uns. Er sagt zu den zwei Mafiatypen, dass es Krieg geben wird und verschwindet wieder. Die zwei schauen mich an und fragen: Er hat uns den Krieg erklärt, du hast doch Ahnung von diesen Dingen, was ist jetzt zu tun? Ich erwache auf dem Sofa meines Kumpels und mein Kopf dröhnt. Klar, schließlich hab ich auch einen gottverdammten Krieg hinter mir. Und ein zweiter steht schon bevor…

P.P.

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